Pflegestufen durch Pflegegrade ersetzt: Was bedeutet das für Sie?

Sind Sie selbst pflegebedürftig oder einer Ihrer Angehörigen? Dann spielen für Sie die Änderungen beim Pflegebedürftigkeitsbegriff und die Neuregelung der Pflegestufen eine wichtige Rolle. Ausgangspunkt ist das Inkrafttreten des zweiten Pflegestärkungsgesetzes, welches die Reform regelt. Diese soll in erster Linie dafür sorgen, dass die Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz bei den Pflegezuwendungen stärker berücksichtigt werden.

Seit 01.01.2017 gelten der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff und die sogenannten Pflegegrade. Für diese müssen Sie jedoch keinen neuen Antrag stellen, stattdessen werden Sie automatisch entsprechend Ihrer Pflegebedürftigkeit einem Pflegerad zugeordnet. Wer 2017 einen ersten Antrag stellen möchte, wird gemäß eines neuen Begutachtungsassements geprüft. Grundlage ist ein Punktesystem, mit dessen Hilfe die Einschränkung der Selbstständigkeit beurteilt wird. Je höher das Ergebnis ist, desto höher ist auch der zugeordnete Grad. Dieser entscheidet wie bereits die Pflegestufen darüber, welche Leistungen aus der Pflegeversicherung einem Pflegebedürftigen zustehen.

Bei den neuen Pflegegraden steht Pflegebedürftigen Folgendes zu:

 
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Pflegegeld in € 0 316 545 728 901
Pflegesachleistung in € 0 689 1.298 1.612 1.995
Tagespflege in € 0 689 1.298 1.612 1.995

Nach welchen Kriterien wird die Pflegebedürftigkeit eines Menschen bestimmt?

Die Feststellung der Pflegebedürftigkeit ist eine wichtige Voraussetzung, um einer Pflegestufe beziehungsweise einem Pflegegrad zugeordnet zu werden und dadurch Leistungen von der Pflegeversicherung zu erhalten. Pflegebedürftig ist ein Mensch, wenn er eine seelische, körperliche oder geistige Erkrankung oder Behinderung besitzt und für mindestens sechs Monate in höherem Maße Unterstützung benötigt. Diese kann folgende Bereiche betreffen:

  • Mobilität
  • Ernährung
  • Körperpflege
  • Hauswirtschaftliche Versorgung

Die genaue Zuordnung zu einer Pflegestufe beziehungsweise einem Pflegegrad erfolgt durch die Pflegekasse. Grundlage für die Entscheidung ist das Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse (MDK) oder eines unabhängigen Gutachters.
Für den Grad der Pflegebedürftigkeit war bisher der erforderliche Zeitaufwand für den täglichen Hilfsbedarf maßgebend. Unterschieden wurde dabei in die eigentliche Pflege sowie in die Unterstützung bei hauswirtschaftlichen Aufgaben.

Durch den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff und die Änderungen der Pflegestufen in –grade ist nicht mehr die benötigte Zeit für Hilfs- und Pflegemaßnahmen ausschlaggebend. Stattdessen sind bestimmte Punkte vorgegeben, die wiedergeben, inwiefern die Selbstständigkeit einer Person eingeschränkt ist.
Eine weitere Neuerung ist, dass bei der Feststellung der Pflegebedürftigkeit nicht mehr zwischen körperlichen, geistigen und seelischen Einschränkungen unterschieden wird. Stattdessen ist nur maßgebend, wie selbstständig ein Mensch noch ist. Daher wird nun geprüft, welche Tätigkeiten er noch alleine schafft und wobei er Schwierigkeiten hat. Wie selbstständig eine hilfsbedürftige Person noch ist, kann sehr verschieden sein. Um diesen möglichen Stadien gerecht zu werden, wurden die Pflegestufen differenzierter unterteilt. Dadurch kann auf die individuellen Bedürfnisse von Menschen mit unterschiedlich schwerer körperlicher und geistiger Beeinträchtigung besser eingegangen werden.

Geringe Pflegebedürftigkeit wird stärker berücksichtigt

Bis Ende 2016 galt für Menschen, die zwar physisch eingeschränkt, aber körperlich fit gewesen sind, dass sie keinen oder nur einen sehr geringen Pflegebedarf aufweisen. Sie wurden der Pflegestufe 0 zugeordnet, weil sie trotz ihrer physischen Einschränkungen (z.B. Demenz, geistige Behinderung, physische Erkrankung) die Voraussetzungen für die Pflegestufe 1 nicht erfüllt haben. Seit 2013 haben diese Menschen allerdings einen Anspruch auf Pflegegeld und ambulante Pflegesachleistungen.
Durch die Pflegereform werden physische Beeinträchtigungen stärker gewichtet, weshalb die Pflegestufe 0 nun dem Pflegegrad 2 entspricht. Dies geht mit einem Anspruch auf mehr Pflegegeld und –Sachleistungen einher und bedeutet für viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen eine große Unterstützung.