Pflegestufen in der Übersicht

In Deutschland ist die Pflegeversicherung ein Teil der Sozialversicherung. Das bedeutet, sie ist für alle Mitglieder der gesetzlichen und privaten Krankenkassen eine Pflichtversicherung. Als Träger der Pflegeversicherung sind die Pflegekassen für die Wahrnehmung aller Aufgaben, die sich aus diesem Bereich ergeben, verantwortlich. Der § 14 SGB XI regelt, wer aufgrund einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit als pflegebedürftig gilt. Abhängig davon, wie groß der Bedarf an Pflege ist, werden pflegebedürftige Menschen in drei verschiedene Pflegestufen eingeteilt. Diese sind im § 15 SGB XI geregelt.

Nach welchen Kriterien wird die Pflegebedürftigkeit einer Person bestimmt?

Grundsätzlich gelten Menschen nach dem Pflegegesetz als pflegebedürftig, wenn sie aufgrund einer

  • seelischen
  • geistigen oder
  • körperlichen

Erkrankung bzw. Behinderung im Bereich

  • der Mobilität
  • der Ernährung
  • der Körperpflege
  • und der hauswirtschaftlichen Versorgung

für mindestens sechs Monate in höherem Maße hilfsbedürftig sind. Die endgültige Entscheidung darüber, in welche der Pflegestufen ein hilfsbedürftiger Mensch eingeteilt wird, trifft die Pflegekasse. Sie richtet sich dabei im Normalfall nach dem Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK).

Entscheidend für die Einstufung in eine Pflegestufe ist der zu erwartende Zeitaufwand, den pflegende Familienangehörige bei der Betreuung der zu pflegenden Menschen haben. Dabei werden die eigentliche Pflege und die benötigten Stunden für die Erfüllung hauswirtschaftlicher Aufgaben getrennt berechnet. Welcher tägliche Mindestaufwand für Grundpflege (Ernährung, Körperpflege und Mobilität) und Hausarbeiten für welche Pflegstufe angesetzt wird, kann der nachfolgenden Aufstellung entnommen werden:

Umfang der Pflegebedürftigkeit Täglicher Hilfsbedarf Davon täglicher Anteil der Grundpflege
Pflegestufe I erhebliche Pflegebedürftigkeit mind. 90 Minuten mind. 45 Minuten
Pflegestufe II schwere Pflegebedürftigkeit mind. 180 Minuten mind. 120 Minuten, dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten
Pflegestufe III schwerste Pflegebedürftigkeit mind. 300 Minuten mind. 240 Minuten, rund um die Uhr zu jeder Tages- und Nachtzeit

Pflegestufe 0 – geringe Pflegebedürftigkeit

In die Pflegestufe 0 fallen alle Menschen, die keinen oder einen nur sehr geringen Pflegebedarf haben, die ihren Alltag aber trotzdem nicht selbstständig bewältigen können und auf Hilfe angewiesen sind. Dazu zählen zum Beispiel

  • demenzbedingte Fähigkeitsstörungen
  • geistige Behinderungen oder
  • psychische Erkrankungen.

Diese Personen erfüllen zwar noch nicht die Voraussetzungen der Pflegestufe I, sie haben seit Januar 2013 aber trotzdem einen Anspruch auf Pflegegeld beziehungsweise auf ambulante Pflegesachleistungen.

Härtefälle

Sollte der tatsächliche Pflegeaufwand die in der Stufe III vorgesehenen fünf Stunden pro Tag übersteigen, kann die Pflegekasse in Härtefällen zusätzliche Leistungen bewilligen. Ein Härtefall liegt vor, wenn die Grundpflege des pflegebedürftigen Menschen auch nachts nur von mehreren Personen gleichzeitig geleistet werden kann oder wenn die tägliche Hilfe für gewöhnliche Verrichtungen wie Körperpflege, Ernährung und Mobilität mindestens sieben Stunden beträgt. Zudem muss eine ständige Hilfe für die Verrichtung der häuslichen Aufgaben notwendig sein. Dieser Fall kann zum Beispiel bei Krebspatienten im Endstadium oder bei Wachkoma-Patienten gegeben sein.

Muss die Grundpflege von einem Pflegedienst geleistet werden?

Die Grundpflege muss nicht zwingend von einem Pflegedienst geleistet werden, sondern sie richtet sich nach dem Wunsch der pflegebedürftigen Person. In den meisten Fällen kann der anfallende Pflegebedarf jedoch spätestens ab der Pflegestufe III nicht mehr alleine von den Angehörigen geschultert werden. In solchen Fällen kann es helfen, gemeinsam darüber nachzudenken, ob ein ambulanter Pflegedienst hinzugezogen werden soll.

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